Die schönsten Geschichten aus den Dobermann-Rallye-Archiven 09

Andreas Hofbauer
FUCKING HELL

Fucking hell war es schon, als mein Wecker sich daran machte, seine Pflicht zu tun. Da kann man annehmen, dass ich gar nicht mehr so tief schluf. Trotzdem konnte ich dem Kerl sein Gefiepe nicht hören, weil es war ihm am Morgen langweilig geworden – er steht immer schon so um 8 auf, wenn seine Süße im Badezimmer fertig ist – zwischen 8 und 11 war ihm langweilig geworden und deshalb hatte er einen auf Kostümball gemacht. Als es Zeit war, die ihm auferlegte Pflicht zu tun, sah er gerade saublöd aus, weil er ein olles Leopardenfell übergezogen hatte, und deshalb war er auch nicht zu hören, weil er mit dem Fell nämlich bis über die Fieplöcher seines kleinen Lautsprechers verwickelt war. Da schluf ich also weiter und hatte die ganze Handlung dieser Geschichte ohnehin schon verschlafen. Erinnern konnte ich mich hinterher nur noch an den Quatsch, den ich in der Buddelflasche geträumt hatte. Da lag ich nämlich drin, während ich schluf. Ich schluf nämlich im Schlaf, also im Traum. Will meinen, dass ich im Traum träumte. Da war es kein Wunder, dass ich trotz fucking hellem Licht und fiependem Leopardenwecker nicht wach werden wollte, da ich ja in gewissem Sinne doppelt schluf – in Wirklichkeit und im Traum – und wenn ich es genau überlege – sogar nochmal tiefer, weil ich nämlich im Traum auch noch mal träumte, dass ich träumte – und zwar von so einer russischen Puppe, die ein Foto von sich selbst in der Hand hält, auf dem sie selbst wieder ebenso mit ebendiesem Foto in der Hand zu sehen ist, und die kleinere russische Puppe in der größeren dann auch wieder und auch mit so einem Foto in der Hand, auf dem sie weder selbst zu sehen war mit ebendiesem und das Ganze in der Buddelfischflasche.

Ich konnte also überhaupt nicht aufwachen, selbst wenn mein Wecker mit Schlangenlederstiefeln einen ägyptischen Totentanz aufgeführt hätte. Während ich so schluf und vom Träumen träumte, strengte ich mich gleichzeitig, aber natürlich immer noch im Traum, bzw. im Traum vom geträumten Traum, an, mich zu erinnern, was in diesem verfickten Wettbewerb Dob Wett Nummer soundso außer Buddelflasche und ägyptischem Totentanz eigentlich noch alles an weiteren Bedingungen verlangt war. Aber ich kam und kam nicht drauf, bis die Süße von meinem Wecker aus dem Bad wieder in unser dreier gemeinsamem Schlafgemach kam – mit ihrem Leopardenfellbademantel um – und sprach: „Ei, was bin ich arm. Ei, was bin ich arm!“ (ich hab gar nichts mehr anzuziehen.)

Diese Lautwahrnehmung baute mein schlafendes Ich, das ja nicht davon erwachen, sondern weiter schlafend bleiben wollte, geschickt in meinen sowieso schon kreuz und quer verträumten Traum ein. „Eindringlingsalarm, Eindringlingsalarm!“, sprach da nämlich nun der Teufel leise vor sich hin. „Teufel auch“, antwortete ihm daraufhin der Rechtschreibmeister, „wer oder was schickt sich da an, in den Traum des Schläfers einzudringen?“
„Es ist nur die Stimme von der Süßen von dem Wecker“, entgegnete der Teufel, „die wird ihn aus dem Schlaf nicht reißen, weil ich sie nämlich schnell als Verlautbarung von meinemeinem eingebaut habe.“
„Fucking schlau“, meinte dazu der Rechtschreibmeister. „Hast Du eigentlich gestern den Wecker mit seiner Süßen auf dem Pornokanal gesehen?“
„Klar, Alter“, meinte der Teufel. „Fucking blasfemische Nummer, würde ich sagen, wenn ich mich nicht weigern würde, solches in dieser Schreibart als Verlautbarung von meinemeinem fallen zu lassen.“
„Trotzdem fucking scharf“, meinte der Rechtschreibmeister. „Ich weck jetzt mal die Traumtüte.“
„Na wird aber auch Zeit“, sagte ich sofort, denn längst war ich hellwach.

Die schönsten Geschichten aus den Dobermann-Rallye-Archiven / Fucking Hell
Dieser Text erfüllt alle Bedingungen des Dobermann-Rallye-Wettbewerbs Nr. 7:
A. Ich werde mich weigern, Blasphemie mit f zu schreiben (Zitat).
B. Die Hälfte der Handlung (Textvolumen) muss sich im Innern einer Buddelschiffflasche abspielen.
C. Die Handlungsträger müssen sämtlichst in Leopardenfell gekleidet sein.
D. Das Frühstücksbuffet wird um 10:30 Uhr geschlossen.
Dieser Text erschien erstmalig im August 1999 in den Dob Red Protokollen 3.
Die Redaktion Dobermann Rallye existierte von 1991 bis 2000.
Publikationen der Redaktion erfolgten unter den Namen: Dobermann Rallye, Pekinese Schnitzeljagd und Die Dob Red Protokolle
Andreas Hofbauer / Fucking Hell / Die Dob Red Protokolle 3 / ISSN 1435-1625

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